Von T-Shirts zu Tränen: Die Michael-Jackson-Gedenkfeier

Paris Jackson, Jackson Family, Michael Jackson, Memorial AP Photo/Mark J. Terrill, Pool

Am Anfang war alles einfach ein bisschen zu viel - zu viele Souvenirs, zu teuer, zu viele Sicherheitsvorkehrungen (wenngleich sich die Befürchtungen in Bezug auf Fanmassen nicht bestätigten).

Am Ende war es das alles, aber auf ergreifende Weise auch weniger. Am Ende ging es nur noch um ein kleines Mädchen, das seinen Vater vermisst.

Von den T-Shirt-Verkäufern bis zur elfjährigen Paris Jackson, die herzzerreißende Abschiedsworte sprach: Wir haben bei Michael Jacksons Gedenkfeier die Stimmung eingefangen und darüber auf Twitter geschrieben.

Hier eine Zusammenfassung der Tweets:

Vor dem Staples Center:

Wir sehen die ersten T-Shirt-Verkäufer. Und wir sind nicht mal im abgesperrten Bereich.

Der gängige Preis für ein MJ-T-Shirt: $10. Der Erinnerungswert: Kein Geld der Welt kann ihn aufwiegen. Oder ist das zu sentimental? Sie entscheiden.

Mehr Andenken: Buttons, drei für $10; Blumen, $5 pro Strauß; Wasserflaschen für $1 und total inoffizielle "offizielle" Programmhefte für $20.

Einen Straßenblock von der Veranstaltung entfernt gibt es mehr Presse und Kapitalisten (alias T-Shirt- und Button-Verkäufer) als Jacksons. Oder trauernde Jackson-Fans.

Der Erste, der uns ein Ticket andrehen will, will $500.

Wir nähern uns dem Bereich mit den Armbändern, wo die Polizei definitiv in der Überzahl ist.

MJs Gesicht wird auf geradezu unheimliche Weise auf das nächstgelegene Nokia Theatre projiziert.

Jetzt sehen wir drei große, weiße Posterwände, die mit Unterschriften und Erinnerungen beschriftet sind.

Die Beste davon: "Hey, was geht, MJ."

Seltsam aber wahr: Wenn nicht zahllose Hubschrauber über uns kreisen würden, wäre es hier geradezu leise.

Die Kavallerie ist angekommen - das meinen wir wörtlich - die Polizei auf Pferden. Jetzt wissen wir, wo die Steuergelder hingehen.

Im Staples Center:

Zum Glück haben wir kein "offizielles" Programm im Freien gekauft. Denn das echte offizielle Programm (keine Anführungszeichen hier) ist kostenlos. Super!

Kein Wunder, dass AEG, die Firma, der der Staples Center gehört, die Kosten für die Security nicht übernehmen konnte - bei $5,75 für eine Cola springt nicht viel für sie raus.

Im Innenbereich, am zugeteilten Sitzplatz. Michaels Musik ertönt über die Lautsprecher (alte Sachen, aus der "Ben"-Zeit). Bisher ist die Halle nicht mal halbvoll.

Während die Spekulationen, ob Michael Jacksons Leichnam wirklich hierher gebracht wird, weitergehen, werfen wir einen Blick auf die Stelle vor der Bühne, wo es tatsächliche danach aussieht, als ob man den Platz für einen Sarg freigehalten hat, denn dort befinden sich auch jede Menge Blumen.

Das erste Zitat des Programmheftes ist von Dunk. "Für die Welt ist Michael eine Ikone", schreibt Dunk. "Für mich ist Michael ein Familienmitglied." (Später erfahren wir, dass Dunk ein Spitzname ist, den Michael seiner berühmten Schwester Janet Jackson verpasste.)

Wie es sich für eine Gedenkfeier Show gehört werden nun auf der großen Anzeigentafel die Namen der Promis eingeblendet, die ihren Weg in den Staples Center finden.

Was Larry King heute wohl tragen wird...?

Die Gedenkfeier soll in zehn Minuten beginnen, so steht's auf der Anzeigetafel.

Ein Ansager weist uns an, Platz zu nehmen. Mit anderen Worten: Beeilt euch und esst eure Brezel schnell zu Ende.

Nun erscheint eine Art Hinweis auf der Anzeigetafel. Da geht's wohl drum, die Veranstaltung mit Würde zu observieren.

Die Menge raunt, als Kobe Bryant reinkommt oder irgendein anderer echt großer Typ (von den billigen Plätzen sieht man das nicht wirklich gut).

Ankunft vollendet, Arena ist voll. Der Star des Abends ist jedoch noch nicht angekommen.

Im Saal ist es todesstill, um es mal so auszudrücken.

Die Gedenkfeier:

"Ladies and Gentlemen, Smokey Robinson."

Wieder ist es ganz still…

Die Menge hat sich gut im Griff - alle sind leise und zeigen Respekt. Sind die auch auf der richtigen Gedenkfeier?

Wir wollen wirklich nicht rumnörgeln, aber irgendwie gibt es hier ein Timing-Problem. Es passiert gar nichts.

Der Star ist angekommen und die Menschenmenge steht und applaudiert lautstark. (Und der Sarg wird genau dort hingebracht, wo wir es vermuteten.)

Jeder Dritte scheint ein Foto zu schießen. Soviel zu dem Verweis "keine Fotoapparate, Kameras oder sonstige Aufnahmegeräte"...

Das Staples Center ist keine Kirche, aber wenn man eine Art Kirchenfenster auf die Leinwand hinter den Pastor projiziert… Nein, sorry, immer noch keine Kirche...

Jetzt sieht man, warum Leute wie Lionel Richie eben echte Profis sind: Sie könne ihre Auftritte nur wenige Meter von Michael Jacksons unübersehbarem goldenem Sarg durchziehen

Motowns Boss Berry Gordy erwähnt MJs "fragwürdige Entscheidungen" - und wenn das dem Publikum nicht die Luft abzieht (und das tut es nicht), dann gibt's nichts mehr, was es noch kann. Entweder hören die hier nichts oder sie hören nicht zu (vielleicht wissen sie auch einfach nicht, wer Gordy überhaupt ist.)

Auch Promis simsen. Wir sehen leuchtende Handys in fast jeder VIP-Reihe. Selbst bei Stevie Wonders Auftritt.

• Magic Johnsons KFC-Story war bis jetzt die Einzige, die die Leute mal zum Lachen brachte.

Jennifer Hudson hat die Menge aufgewühlt. Sie ist die Erste, die die Gabe hatte, das Publikum wirklich mit einzubeziehen.

Aber selbst der Applaus für Hudson hält sich in Grenzen. Auf was warten die denn alle?

Vielleicht haben sie ja auf Reverend Al Sharpton gewartet, der offensichtlich den Nerv trifft.

 Um Sharptons Rede auf den Punkt zu bringen: MJ hat den Krebs besiegt. Ob man seine Rede nun als zu übertrieben ansieht oder nicht, seine Bemerkung an MJs drei Kinder ("an eurem Vater war nichts Seltsames) wird in Erinnerung bleiben.

Sieh nur, was du angerichtet hast, Sharpton. Jetzt ist die Menge total angeheizt und ruft.

John Mayer kann nicht auf Twitter kommunizieren, während er auf der Bühne "Human Nature" spielt, aber wenn er es könnte, würde er sicher schreiben, dass er sich gerade an "Human Nature" versucht.

Was Sharpton an Stimmung in die Halle brachte, zog Mayer mit seinem Gitarrengezupfe wieder runter.

Brooke Shields' Tränen während ihrer Rede machen diese Gedenkfeier auf jeden Fall ein bisschen realer.

In der Halle werden mehr und mehr Tränen vergossen.

An Sheila Jackson Lees Applaus kann man ganz klar ablesen, dass ihr Kollege im Repräsentantenhaus, der Republikaner Peter King (Er hatte Michael Jackson als "pervers" bezeichnet) nicht mit Stimmen von diesem Publikum rechnen darf.

Verständlich, dass Usher während seines Auftritts beinah zu weinen anfing: Sein Blick schweifte einmal zu oft zum Sarg - er konnte ihn einfach nicht ausblenden.

Regisseur und Choreograf Kenny Ortega scheint so ein guter Kerl zu sein, dass seine Erklärung, warum die Gedenkfeier im Staples Center abgehalten werden musste, Sinn macht. Zumindest mehr oder weniger.

Jetzt sind alle auf den Füßen und singen: "We Are the World". Und plötzlich ist es wieder 1985.

Jetzt haben wir einen dieser unangenehmen Konzertmomente: Die VIPs stehen immer noch, während die Fans nicht wissen, was sie tun sollen.

Auf der Bühne liegt man sich in den Armen, im Publikum, nicht wirklich.

Nun sind die Jacksons auf der Bühne versammelt. Der emotionale Moment wird von der gedanklichen Frage gestört, um welchen Jackson-Bruder es sich hier handelt, der da redet.

Marlon! Es ist Marlon! Danke, Marlon, dass du uns durch deine Geschichte zu verstehen gegeben hast, wer du bist.

• Paris Jackson geht in die Mitte der Bühne. Die Menge fordert einander zum Ruhigsein auf. Das Mädchen beendet die Gedenkfeier mit zwei Sätzen: "Seit meiner Geburt war Daddy der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Und ich wollte nur sagen, wie sehr ich ihn geliebt habe."

Ja, es war in der Tat eine Gedenkfeier, die ihren Namen verdient hat.

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