Jermaine Jackson: "Ich wünschte, es hätte mich getroffen"

Genau eine Woche nach dem Tod von Michael Jackson war dessen Bruder Jermaine Jackson als erstes Mitglied der noch trauernden Musikerfamilie bereit, ein längeres Interview über die verstorbene Ikone zu geben und sprach am Donnerstagmorgen von der Neverland Ranch aus mit der Today Show.

Er beschrieb sich selbst als Michaels emotionale Stütze und war sehr emotional und oft den Tränen nah, während er  seinem kleinen Bruder Tribut zollte und preisgab, welchen überraschenden Ausgang er sich für die Tragödie letzte Woche gewünscht hätte.

"Er ist zu früh von uns gegangen", sagte er zu Matt Lauer. "Ich weiß nicht, wie die Leute das auffassen werden, aber ich wünschte, es hätte mich getroffen.

Ich hatte immer das Gefühl, seine Stütze zu sein. Jemand, der für ihn da war und er war irgendwie wie Mose. Was er nicht sagen konnte, habe ich an seiner Stelle gesagt. Während der Prozesse und auch sonst wusste ich immer, dass er 100-prozentig unschuldig war. Ich wusste es. Wir alle wussten es.

Michael ist ein Geschenk von Allah. Und er hat ihn zu sich zurückgeholt."

Auf die Frage, wie Jermaine von der schrecklichen Nachricht erfahren habe, sagte er, er habe einen Anruf von einem Freund erhalten, rief aber, weil er nicht glauben konnte, dass seinem Bruder etwas zugestoßen sei, seine Mutter Katherine an, um herauszufinden, ob es stimmt. Da erfuhr er, dass Michael für tot erklärt worden war.

"Meine Mutter sagen zu hören, dass Michael tot ist… den Klang ihrer Stimme zu fühlen und zu hören, als sie sagte, dass ihr Kind tot ist, ist etwas, das man sich nicht vorstellen kann", sagte er und fügte hinzu, dass er durch die Stadt geeilt sei und schon die Hubschrauber über dem Krankenhaus kreisen sehen konnte, bevor er ankam.

Nachdem er versucht hatte, seine Mutter zu trösten, so Jermaine, ging er zu ihm, um sich von seinem Bruder zu verabschieden.

"Ich wollte Michael sehen. Ich wollte meinen Bruder sehen. Ihn dort tot liegen zu sehen, zu sehen, dass er nicht mehr atmete, war sehr emotional für mich, aber ich nahm mich zusammen, weil ich wusste, dass er lebt, sein Geist lebt. Das war nur eine Hülle.

Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn, umarmte ihn, berührte ihn und sagte: 'Michael, ich werde dich nie verlassen.' Ich fühlte mich unendlich leer."

Über die Verfassung seiner Familie sagte Jermaine, dass es ihnen schwer zusetzt, aber dass sie ihr Bestes tun, um stark zu bleiben.

"Es ist hart. Meine Familie beweist Stärke. Wir waren schon immer eine Familie und wir halten einfach zusammen. Aber es ist schwer. Es ist sehr schwer.

Wir haben unseren Bruder verloren, unseren Helden. Die Welt trauert, wir trauern, die Fans trauern. Es ist so unwirklich. Es ist schwer zu glauben."

Zu Jacksons drei Kindern Prince Michael, Paris-Michael und den liebevoll genannten Blanket sagte Jermaine dass es ihnen "gut geht " und bezeichnete sie als "ganz besondere " Kinder.

Er bestätigte, dass die drei Michaels Leichnam im Krankenhaus gesehen haben, nachdem ein Therapeut dazu geraten hatte, eine Entscheidung, die Jermaine ursprünglich für falsch hielt.

"Ich weiß, dass es schwer ist, aber ich denke, dass es so das Beste war. Zuerst war ich dagegen, aber was soll man ihnen sagen, wenn man ihn ihnen nicht zeigt?"

Die Kinder sind zur Zeit bei ihren Cousins und Jermaine lobte Michaels Entscheidung, in seinem Testament das Sorgerecht für die drei seiner Mutter zu übertragen.

"Ich fand, es war ein gutes Testament, weil es den Kindern gut geht - meine Mutter ist die Richtige, sie sollte da sein.

Sie ist fähig und sie hat die Kraft dazu, weil sie sowieso immer mit allen Enkeln zusammen ist. Sie liebt das Gelächter, die Tränen und die Aufregung. Sie wird Unterstützung bekommen, um dafür zu sorgen, dass sie das Richtige tut."

Während eine Beerdigung auf Neverland ausgeschlossen wurde, sagte Jermaine, dass es als letzte Ruhestätte immer noch die beste Wahl sei.

"Es war sein Zuhause. Er hat es erschaffen, warum sollte er nicht hier sein? Ich kann seine Gegenwart spüren. Es ist, als wäre er auf Tournee und dieses Gefühl hätte man immer und das gefällt mir. Er hat diesen Ort mit viel Liebe aufgebaut und das kann man sehen und fühlen.

Sehen Sie sich diesen Ort an… Er hat ihn erschaffen."

Jermaine nahm sich auch die Zeit, um die nicht enden wollenden Gerüchte und Spekulationen über Michaels mögliche Medikamentensucht anzusprechen, wenn auch nicht sehr detailliert.

"Dass Leute ankommen und Dinge sagen, für die sie keine Beweise haben, schadet der Familie, mir, uns allen, weil wir es nicht wissen."

Und obwohl er einräumte, nicht zweifelsfrei zu wissen, dass Medikamente keine Rolle in Michaels Tod gespielt haben, so sagte er doch, dass es ihn sehr überraschen würde, in dem noch nicht fertig gestellten Toxikologiebericht große Mengen von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu finden.

"Es würde mich verletzen. Michael war immer gegen solche Sachen", sagte er und fügte dann hinzu: "Bei dem Druck und den Sachen, die man in dieser Branche durchmachen muss, weiß man einfach nie, woran sich jemand festhält."

Dennoch ist Jermaine sich sicher, dass der enorme Druck, der in den letzten zehn Jahren auf Michael lastete, seiner Gesundheit geschadet hat.

"Michael hat sich immer um alle anderen Gedanken gemacht. Und diese Last mit sich herumzutragen und dieser Druck… Ich weiß auch nicht.

Manch einer wusste ihn nicht zu schätzen. Die Welt hat ihn geliebt, aber bestimmte Leute, bestimmte Branchen, haben ihn nicht zu schätzen gewusst.

Er wurde das Opfer seines eigenen Erfolges. Er hatte es schwer. Was ihm in seinem Leben wiederfahren ist und dann der Druck, der enorme Druck. Da arbeitet man so hart, um gut zu sein und dann wird es anders aufgefasst."

In Bezug auf Michaels Comeback mit den 50 geplanten Konzerten in London und auf die Frage, ob der King of Pop dieser Herausforderung gewachsen gewesen sei, antwortete Jermaine, dass das für seinen Bruder kein Problem gewesen wäre.

"50 Konzerte sind eine Menge Konzerte, aber ich glaube wirklich und weiß, dass Michael sehr stark ist. Mental und körperlich. Er ist ein Tänzer, er hat mit dem Tanzen nie aufgehört. Er war stark, er war bereit. Ich denke, dass es viel mit der mentalen Anspannung und dem Stress zu tun hatte."

Und schließlich, als er nach dem Vermächtnis, das sein Bruder mit dem Kultstatus hinterlässt, entschied Jermaine, nicht weiter über das unbestrittene musikalische Genie seines Bruder zu reden, sondern stattdessen seiner weniger öffentlichen Seite zu huldigen.

"Das Vermächtnis von Michael Jackson ist, dass Michael ein wunderbarer Mensch war, ein wunderbarer Vater, ein mitfühlender Mensch, ein Wohltäter, ein Mensch, der allen nur Gutes wünschte, ein Mensch, der alles, was er besaß, gegeben hätte, um alle Menschen glücklich zu machen.

Was er für die Welt getan hat, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch für das Glück der Menschen… Wie kann man das mit Geld aufwiegen? Wie kann man das bewerten? Die Freude, jemanden glücklich zu machen, jemandem durch die eigenen Taten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, das lässt sich mit keinem Geld der Welt aufwiegen."

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